August 16, 2011 0

Civilization II – Warum es so genial ist

By in Computerspiele
CIV2 fortgeschrittener Spielstand

Grafik: Civilization II

Ich weiß, ich weiß: Hier geht es eigentlich mehr um Programmiersprachen, Softwareentwicklung, Algorithmen und solches Zeug. Warum dann jetzt ein Post über ein Computerspiel – und noch dazu ein so altes? Ganz einfach: Mein Blog, meine Regeln!

Aber mal Spaß bei Seite: Ein Computerspiel ist zunächsteinmal auch ein Stück Software, das geknetet und gewalkt wird, bis es dem Endanwender zugänglich gemacht wird. Ich möchte hier kurz ausführen, warum ich finde, dass Civilization II (kurz: CIV2) ein großartiges Spiel ist und welche Entwicklungsentscheidungen es dazu gemacht haben.
Zunächst für die bemittleidenswerten Leser, die noch nie CIV2 gepielt haben eine kurze Einführung:

Worum es in CIV2 geht

CIV2 gehört dem Genre der rundenbasierten Strategiespiele an. Rundebasiert heißt, dass man sich als Spieler beliebig lange bei seinen Entscheidungen Zeit lassen kann. Erst wenn man Alles genau überdacht hat, beendet man seinen Zug und die Gengner sind dran. Das Hauptgeschehen spielt sich auf einer (Welt-)Karte ab, die in Felder aufgeteilt ist – ähnlich denen eines Schachbretts. Hier werden (Militär-)Einheiten bewegt, Städte gegründet, Straßen gebaut etc. All diese Maßnahmen, dienen dem Zweck, besser zu sein, als die gegnerischen Nationen, die entweder vom Computer oder von menschlichen Spielern gelenkt werden.

Besser als jede Erklärung ist es selbst eine Runde zu spielen…

Warum CIV2 ein großartiges Spiel ist

Ich gebe mir Mühe meiner Euphorie im Bezug auf dieses Computerspiel Einhalt zu gebieten und wie (hoffentlich) gewohnt strukturiert vorzugehen:

Einfachheit und Komplexität

Jeder Teil der Civilization-Spielreihe war seit dem ersten Erscheinen von 1991 äußerst komplex. Komplex bedeutet hier, dass dem Spieler eine Vielzahl an Möglichkeiten gegeben wird, das Spielgeschehen zu beeinflussen. hinzu kommt, dass jede vom Spieler getroffene Entscheidung eine Abwägung vieler Faktorenbedarf. CIV2 überfordert unerfahrene Spieler dennoch nicht mit zu vielen Entscheidungsmöglichkeiten.

CIV2 Startsituation mit einem Siedler

Abbildung 1: Ein früher Spielstand

Stattdessen wächst die Komplexität mit dem Spielverlauf, wodurch der Spieler langsam an neue Schauplätze herangeführt wird. In Abbildung 1 und 2 sehen Sie, wie ich das meine: Zunächst ein Screenshot vom Anfang eines Spiels: Der Spieler verfügt über lediglich eine Einheit, die er entweder über die Karte bewegen oder mit der er seine erste Stadt gründen kann. Abbildung 2 zeigt einen späteren Spielzeitpunkt, indem der Spieler bereits ein kleines Reich mit dutzenden Städten und Einheiten verwaltet.

Vielschichtigkeit

Das Spielgeschehen spielt sich auf mehreren Ebenen ab, die unterschiedliche Mechanismen beinhalten. Des weiteren unterscheiden sich die hier getroffenen Entscheidungen hinsichtlich ihrer zeitlichen Relevanz. Hier eine Überisicht:

  • Bewegung der Einheiten – kurzfristig
  • Bau neuer Einheiten und Gebäude – mittelfrisitg
  • Stadtmanagement – mittelfristig
  • Forschung  – mittel- bis langfrisitg
  • Steuersatz und Staatsformwahl – langfristig
  • Diplomatische Verhandlungen – langfristig
CIV2 fortgeschrittener Spielstand

Abbildung 2: Ein fortgeschrittener Spielstand

Ballance ist Alles

In CIV2 werden komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge runtergebrochen auf einfache und dadurch beherrschbare Modelle. Der Spieler kann nur erfolgreich sein, wenn er eine gewisse Ballance einhält, ohne dabei seine Präferenzen (z.B. militärisch-aggressive Expansion) aus den Augen zu verlieren. Ein Beispiel ist die Stadtverwaltung: Hier können Sie als Herrscher festlegen, ob ihre Bürger die Produktion neuer Einheiten und Gebäude unterstützen sollen oder als Spezialisten die Staatskasse füllen (Steuereintreiber), die Forschung voranbringen (Wissenschaftler) oder die breite Masse unterhalten (Entertainer) sollen. Hier kommt es auf die Richtige Mischung an!

CIV2 - der Stadtbildschirm

Abbildung 3: DieBewohner einer Stadt

Die ultimative Spielfreiheit

CIV2 lässt einem als Spieler die freie Auswahl, wie man sein Reich zum Erfolg führen will. Das ist ein großer Bestandteil des Spielkonzepts und letztendlich Grund für den imensen Spielspaß.
Die ultimative Spielfreiheit zeigt sich im Ziel des Spiels. CIV2 lässt Ihnen hier die Wahl! Sie können durch Eroberung der Konkurrenten oder durch gesellschaftlichen Fortschritt (Raumschiff) siegen. Dies stellt in der großen, weiten Welt der Computerspiele fast ein Unikum dar!

Das letzte Geheimnis

Das Spiel verrät Ihnen nicht Alles. Die genauen funktionalen Zusammenhänge der Spielmechanik bleiben weitgehend geheim. Darin unterscheidet CIV2 sich von seinen Nachfolgern, die den Spieler zunehmend mit Prozentangaben und anderen Zahlenwerten konfrontierten. CIV2 dagegen behält manche Details für sich und das ist auch gut so! Denn so bleibt es auch nach der 100ten Partie immernoch spannend und man entdeckt immernoch Neues.
Daran lässt sich gut erkennen: Der Spielspaß als oberstes Entwicklungsziel wurde offensichtlich von den Entwicklern nie aus den Augen verloren!

CIV2 für Entwickler

Auch als Nicht-Programmierer können Sie das Spiel modifizieren. Angepasst werden können die Grafiken sowie die Werte und Texte des Spiels.
Dadurch entstanden eine Vielzahl an Modifikationen (kurz: MODS) die heute noch auf einer Vielzahl an Fan-Seiten zu finden sind. Ein paar dieser Seiten:

Leider wurde der Quellcode von CIV2 vom Inhaber der Rechte, ATARI nicht freigegeben, wie dies von vielen Fans gewünscht wurde (hier gehts zur Online-Petition).
Es gibt jedoch mehrere ambitionierte Projekte, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, CIV2 nachzubauen.
Das bekannteste heißt FreeCiv und verfügt über eine vergleichsweise große Community. Ein weiteres Opensource-Projekt heißt C-evo.

Fazit

Ich hoffe, Sie nehmen aus diesem Post nicht “nur” mit, dass CIV2 ein sensationell gutes Computerspiel war und noch immer ist, sondern  haben auch etwas im Punkto Spieleentwicklung erfahren:

  • Der Spielspaß ist Ziel jeder Entwicklungsbemühung
  • Man sollte dem Spieler Freiheiten lassen, Herausforderungen auf die eigene Art und Weise zu Lösen
  • Der Spieler sollte nicht überfordert werden: Am besten ist, die Komplexität steigt mit dem Spielverlauf
  • Das Spiel sollte nicht alle Detaills über die Spielmechanik verraten: Geheimnisse sind spannend!

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Hier gibt es die komplette Civilization-Reihe:

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