August 24, 2011 0

Der Konsument ist tot – ein Nachruf!

By in E-Business, Programmieren

Programme werden geschrieben und auf CD gepresst. Der Privatkunde geht in den Laden und kauft das Programm in einer bunten Pappschachtel, um es zuhause auf seinem PC zu installieren.
Das war einmal! Diese Zeiten sind passé: Der Entwicklungshorizont von Software hat sich in den letzten Jahren immer mehr verschoben.
Aber was hat sich denn nun verändert?

1. Die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten ist zurückgegangen

Niemand ist mehr bereit Geld für z.B. eine Organisationssoftware für Fotos auszugeben, wenn er  eine solche vom Hersteller seiner Digitalkammera umsonst bekommt. Auch ambitionierte OpenSource-Projekte (z.B. OpenOffice) haben ihren Teil dazu beigetragen, dass die Zahlungsbereitschaft für Software im Privatanwenderbereich zurück gegangen ist.

2. Der hoher Entwicklungsstand der momentanen Software

Bei Produkten wie MS Office hat sich in den letzten Jahren in punkto Funktionsumfang aus Privatanwendersicht nicht viel getan. Daran sind nicht unbedingt die Softwarehersteller schuld. Bestimmte Softwareprodukte existieren einfach schon so lange, dass eine Verfeinerung naturgemäß in immer kleineren Schritten geschieht. Dies hat dazu geführt, dass sich die Kunden (zurecht) fragen, warum Sie alle paar Jahre ein neues MS Office kaufen sollen, wenn es ihr altes doch auch noch tut. Software kennt (zumindest in diesem Bereich) keine Abnutzung!

3. Komplexe Produkte

Die am Markt etablierte Software ist extrem umfangreich. Ein Konkurrenzprodukt from-scratch zu entwickeln ist in vielen Bereichen fast schon unmöglich! Sollten Sie beispielsweise auf die Idee kommen, einen Photoshop-Konkurrenten zu schreiben, bräuchten sie alleine schon um einen annähernden Funktionsumfang zu erreichen mehrere Jahre Entwicklungszeit. Doch selbst dann ist nicht gesagt, dass Sie jemals auch nur annähernd die Qualität des etablierten Produkts erreichen könnten.

4. Alles ist online

Es mag ja noch einige Leute geben, die gerne Etwas für das sie Geld ausgeben physisch in der Hand halten wollen. Alles in allem überwiegt jedoch die Bequemlichkeit: Vom Schreibtisch aus ins Internet zu gehen und einen Account für eine Webseite zu aktivieren ist wesentlich annehmlicher, als in den nächsten Laden zu gehen, eine Schachtel inklusive CD zu kaufen nur um zuhause festzustellen, dass irgendetwas mit der Installation schief läuft.

Fazit

Wenn Sie eine Desktopanwendung programmieren wollen und diese anschließend an Privatpersonen verkaufen möchten rate ich Ihnen folgendes: Vergessen Sie es! Die Gründe habe ich ihnen genannt.

Die gute Nachricht

Aber bevor Sie jetzt vor lauter Verzweiflung das Programmieren sein lassen – hier die gute Nachricht:
Die Entwicklung von Software ist auch weiterhin ein lukratives Geschäft, allerdings auf anderen Bereichen, als bisher. Das sind die aus meiner Sicht zur Zeit vielversprechendsten Sektoren:

  • Apps

    Die kleinen Anwendungen sind ideal für Einzelentwickler: Eine gute Idee und relativ wenig Programmieraufwand reichen völlig aus, um Ihr Produkt an viele Privatanwender weltweit zu verkaufen. Handelsplattformen (z.B. Apple’s App Store) nehmen Ihnen hierbei viel der organisatorischen Arbeit ab.

  • Geschäftskunden

    Die Zahlungsbereitschaft bei Firmen ist nach wie vor gut: Aufs Geld wird nicht so sehr geschaut, Hauptsache, das Programm erfüllt seinen Zweck. Diese Einstellung ist aber auch Schuld daran, dass Entscheidungsträger in Firmen, am liebsten das Produkt wählen, womit Sie vor allem im Hinblick auf ihre Karriere das geringste Risiko eingehen (Merkspruch: “You never get fired for buying SAP“). Wenig etablierte Produkte haben es daher schwer.
    Insgesamt sollten sie sich als Einzelentwickler oder als kleines Team darauf ausrichten ganz spezifische Aufgaben mit Ihrem Tool zu lösen. Verantwortliche werden eine kleine, unkomplizierte Lösung genau ihres Problems einem monströsem Programm vorziehen.

  • Webservices

    Einnahmen kommen heute nicht immer auf dem direkten Weg vom Kunden zum Entwickler. Viele Kostenlose Webservices finanzieren sich sehr gut über Werbung oder Link-Verkäufe. Ein hoher Verbreitungsgrad ist hier der Schlüssel zu Erfolg.

 

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