January 25, 2014 0

Sonderausstellung: Konrad Zuses Z1 in Berlin

By in Computerarchitektur

Konrad Zuses Z1 in Berlin

Aus geschäftlichen Gründen war ich die Tage wieder in Berlin. Es gab viel Arbeit und wenig Schlaf. Umso erholsamer war es, den Aufenthalt um das sich anschließende Wochenende zu verlängern und einfach mal frei zu machen.
Ich hatte schon vor einiger Zeit mitbekommen, dass im Deutschen Technikmuseum eine Sonderausstellung zu Konrad Zuse und den Anfangstagen des Computers installiert war. Diese galt es nun in Augenschein zu nehmen.

Das Deutsche Technikmuseum

Zunächst einmal möchte ich an dieser Stelle betonen, dass ein Besuch des Deutschen Technikmuseums in Berlin ein absolutes Muss für jeden Technikinteressierten ist! Ich kann mich glücklich schätzen, schon einige – teils recht namhafte – Museen besucht zu haben aber selten hat mir ein Museum derart die Sprache verschlagen. Auf 5 Stockwerken werden dem Besucher Exponate aus den verschiedensten Themenbereichen präsentiert. Hierbei handelt es sich im Einzelnen um:

Binnenschiff im Dt.Technikmuseum

  • Energietechnik
  • Filmtechnik
  • Fototechnik
  • Historische Brauerei
  • Kommunalverkehr
  • Luft- und Raumfahrt
  • Nachrichtentechnik
  • Papiertechnik
  • Produktionstechniken
  • Rechen- und Automationstechnik
  • Schienenverkehr
  • Schifffahrt
  • Schreib- und Drucktechnik
  • Straßenverkehr
  • Textiltechnik

Alle diese Themenbereiche sind mühevoll zusammengestellt und durch kleine Experimente angereichert. Besonders die Flugzeugabteilung in der eine Vielzahl Originalmaschinen(!) exponiert sind, ist atemberaubend.
Einzig die Abteilung zum Thema Computer und Informationstechnik ist für meinen Geschmack etwas klein ausgefallen. Vielleicht sah das die Museumsleitung ähnlich und hat daher versucht mit der Sonderausstellung über Konrad Zuse hier ein wenig „nachzubessern“.

Konrad Zuse – wer ist dieser Mann?

Ich möchte an dieser Stelle mich nicht in biografischen Details verlieren: Wer nachhaltiges Interesse am Schaffen und dem Werdegang Konrad Zuses hegt, möge sich das Buch Der Computer – Mein Lebenswerk: 100 Jahre Zuse
zu Gemüte führen.

Z1 – der voll funktionsfähige mechanische Computer

Und da steht er, ganz am Ende der Ausstellung: Die Z1. Kaum zu übersehen und doch nicht sofort als Computer erkennbar. Bei der Z1 handelt es sich um eine von Konrad Zuse im Jahre 1936 entworfene, vollautomatische Rechenmaschine. Das Exponat selbst ist nicht aus dieser Zeit, da das Original leider im Verlaufe des Krieges zerstört wurde. Der ausgestellte Rechner wurde von 1987 bis 1989 in mühsamer Kleinarbeit rekonstruiert und dem Deutschen Technikmuseum zur Verfügung gestellt.
Das erstaunliche an Zuses Konstruktion ist, dass sich praktisch alle Konzepte, auf denen moderne Computer beruhen bereits in diesem Ur-Modell wiederfinden:

  • Der Computer arbeitet mit binären Zahlen bzw. Zuständen
  • Es gibt getrennte Eingabe-, Ausgabe- und Verarbeitungsmodule
  • Speicher- und Rechenwerk sind getrennt voneinander

Ist die Z1 die Mutter aller heutigen Computer?

Trotz der beeindruckenden informations- und ingenieurstechnischen Leistungen Zuses wird sein Einfluss auf die spätere Entwicklung des Computers und der Informatik als gering angenommen. Daran ist nicht zuletzt der Krieg schuld: Nicht nur, dass ein Austausch mit britischen oder amerikanischen Forschern absolut unmöglich war, auch haben die frühen Computer Zuses die verheerenden Verwüstungen des Krieges nicht überdauert.
Man sieht siedelt heute Zuses Schaffen jenseits der „Vererbungskette“ der Informationstechnik an und lässt den Forschern rund um das ENIAC-Projekt diese Ehre angedeihen. Diese waren etwa zeitgleich zu Zuseaktiv.

Vom Schieberegler zum Relais

Neben der Z1 sind auch die Nachfolgemodelle ausgestellt, die allesamt nicht mehr mechanisch, sondern elektrisch betrieben wurden. Die verwendeten Relais waren wesentlich schneller und kleiner und eröffneten ganz neue Welten.
Zu den Ausstellungsstücken des Deutschen Technikmuseums zählen auch einige Exponate, die diese Entwicklung darstellen.
Auf die verschiedenen Nachfolgemodelle der Z1 möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen auch wenn diese nicht weniger revolutionär waren, als ihr mechanischer Vorgänger. Wer sich ein Bild machen möchte, hier sind noch einmal alle ausgestellten Computer angeführt:

Z1

z11

z22

z31

z64

Vom Relais zum Transistor

Auch wenn Zuse selbst keine Transistor-basierten Rechner mehr konstruierte, ist diese Technologie dennoch mit ausgestellt. Hierdurch wird dem Besucher verdeutlicht, was für neue Möglichkeiten der Transistor und die Chip-Technik eröffneten.

Fazit

Wie lässt sich diese Ausstellung anders beschreiben, als: Fantastisch! Von den konkreten Rechnern, über die einzelnen Bausteine (Speicher, Schalte und Relais) bis zu den Aufzeichnungen Zuses wurde an Alles Gedacht.
Ein Traum wäre es natürlich gewesen, wenn man als Besucher selbst Rechnungen mit dem Z1 oder seinen Nachfolgern durchführen könnte. Das dies nicht möglich sein kann, ist ebenso bedauerlich, wie verständlich.
Es bleibt jedem nur, jedem Technikinteressierten diese Ausstellung oder das gesamte Museum ans Herz zu legen. Ich würde sogar so weit gehen, sich mehrere Tage Zeit zu nehmen um das gesamte Museum erkunden zu können.

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