September 16, 2011 0

Risiken von Web-APIs

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Es ist schon verlockend: Statt einen Programmteil aufwändig selbst zu programmieren, bindet man einfach eine Online API ein und schon war’s das. So einfach und unkompliziert sieht es in der Realität natürlich nie aus und doch kann die Verwendung solcher Schnittstellen eine echte Arbeitsersparnis darstellen. Mehr noch: Sie kann manche Projekte erst möglich machen, denn manches kann selbst der beste Programmierer nicht realisieren. Dies ist besonders dann der Fall, wenn über eine Schnittstelle auf Datenbanken zugegriffen wird, deren Informationen nicht anders konstruierbar wären.

Viele Online Schnittstellen sind kostenlos, was dem professionellen Entwickler eine Warnung sein sollte! Was wenn der Service plötzlich eingestellt oder kostenpflichtig wird? Vergessen Sie nicht, dass es hier wie so oft ums Geschäft geht.

Es steht die Frage im Raum, warum betreiben Firmen wie Google überhaupt den Aufwand und bieten APIs kostenlos an?

  • Eine Antwort wurde bereits gegeben: Um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu kommerzialisieren und dann den vollen Lock-In-Effekt abzuschöpfen.
  • Des weiteren nutzen die Anbieter die APIs Ihrerseits, um Informationen z.B. über die Häufigkeit und Art der Nutzung zu erfahren.
  • Sehr gefragt seitens der Anbieter ist auch das Know-How der Entwickler: Sie können mit deren Hilfe ein (Software-)Produkt zur Marktreife führen.

Was passiert aber, wenn der Anbieter hat was er von Ihnen wollte oder genug Abhängigkeiten zu der Schnittstelle geschaffen wurden? Richtig: Er wird das ganze entweder kostenpflichtig machen oder die API einstellen.
Wenn die Betriebsfähigkeit Ihres Programms essentiell von der Verfügbarkeit der Online Schnittstelle abhängt heißt Prost-Mahlzeit! Richtig schlimm wird es, wenn Sie Ihre Software bereits an Kunden vertrieben haben. Erklären Sie denen jetzt mal, warum die Software, die sie teuer bei Ihnen gekauft haben nicht mehr das tut, was sie soll!
Ganz wichtig ist es daher, beim Lizenzvertrag ganz explizit auf die vorhandene Abhängigkeit von etwaigen APIs oder Schnittstellen hinzuweisen. Nur so können Sie sich rechtlich absichern.

Selbst wenn der Anbieter gewillt ist, das Schnittstellenangebot aufrecht zu erhalten, kann es trotzdem zu Ausfällen kommen. Überlastung bei zu vielen Anfragen kann ein möglicher Grund sein. Der ultimative Ausfall droht, wenn der Anbieter seine „Geschäftstätigkeiten einstellt“ – sprich Pleite geht.

In fast allen Fällen, in denen ich mit externen APIs gearbeitet habe, haben sich die Anbieter durch entsprechende Disclaimer und Lizenzen rechtlich gesehen wasserdicht abgesichert. Dadurch wird klar: Sie haben keinerlei Anspruch auf die Nutzung der Schnittstelle. Sie sind viel eher auf den Guten Willen der Anbieter angewiesen und das kann ein sehr dünnes Eis sein, auf das sie sich da begeben.

Ein Beispiel zum Schluss, damit Sie sehen, dass das Thema wirklich ein Dauerbrenner ist:
Am 15. September 2011 gingen Teile der Yahoo Siteexplorer-API offline. Es handelt sich hierbei um die zur Zeit beste, kostenlose Web-API, um Backlinks abzufragen. Ein vergleichbarer Ersatz exisitiert momentan nicht und wird wohl auch in naher Zunkunft nicht zur Verfügung stehen.
Die Konsequenz: Die ganze SEO-Szene springt im Dreieck, da voraussichtlich etliche darauf aufbauende Tools nur noch Altmetall sind!

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